Im Gedenken
In der Schweiz erinnern verschiedene Denkmäler und Hinweisplaketten an alliierte Internierte des Zweiten Weltkriegs. Diese Erinnerungszeichen sind teils als Dankesgesten ehemaliger Internierter entstanden, teils als spätere Markierungen, die Gemeinden oder Institutionen an Orten anbrachten, an denen Internierung konkret stattgefunden hatte. Sie verweisen auf die Zeit, als in der Schweiz zahlreiche Militärangehörige fremder Armeen interniert waren und in sehr unterschiedlichen Unterkünften lebten, von Hotels in Kurorten bis zu Lagern in Schulen, Baracken oder anderen öffentlichen Gebäuden.
Adelboden
An der reformierten Kirche befindet sich eine Gedenktafel, die sich auf die Jahre 1943 bis 1945 bezieht und festhält, dass ein Tor von internierten amerikanischen Fliegern sowie von entkommenen Kriegsgefangenen des britischen Commonwealth gestiftet wurde. Der Text der Tafel nennt diese beiden Gruppen ausdrücklich und verbindet die Stiftung mit der Erinnerung an die Monate, die sie in Adelboden verbrachten. Damit ist der Bezug nicht allgemein, sondern konkret auf Internierung und auf die Herkunft der Betroffenen ausgerichtet, und er zeigt zugleich, dass im selben Ort sowohl internierte Flugbesatzungen als auch geflohene Angehörige britischer und Commonwealth Streitkräfte präsent waren.
Adelboden im Herbst 1944 - Kolorierung Patrick Schlenker
Bauma im Kanton Zürich
An der reformierten Kirche ist eine Gedenktafel angebracht, die British and Dominion Évadés nennt und den Zeitraum Oktober 1943 bis Juli 1944 ausweist. Der Begriff Évadés verweist auf Personen, die sich der Gefangenschaft entzogen hatten und in die Schweiz gelangten. Die Tafel ist als ausdrücklicher Dank formuliert und dokumentiert damit einen lokalen Bezug zu britischen und Commonwealth Angehörigen, der über die reine Fliegerinternierung hinausgeht. Solche Hinweise sind besonders aussagekräftig, weil sie den Blick auf eine Gruppe lenken, die zahlenmässig nicht immer so sichtbar war wie grosse internierte Verbände, in der lokalen Erinnerung aber dennoch Spuren hinterliess.
Kurpark Davos
Im Kurpark befindet sich eine Skulptur als Denkmal für während des Zweiten Weltkriegs internierte Angehörige der American Air Force. Die Inschrift nennt die Internierung in den Jahren 1944 und 1945 und verweist auf Davos als Unterbringungsort. Damit wird ein zentrales Element der damaligen Praxis sichtbar, nämlich die Unterbringung von internierten Fliegern in Kurorten und Hotelstrukturen, die sich aus dem Zusammenbruch des Tourismus und aus den Kontrollbedürfnissen der Behörden ergab. Auch wenn das Davoser Denkmal amerikanisch geprägt ist, gehört es in denselben Erinnerungsrahmen wie die britischen Hinweise, weil die Internierung alliierter Flieger in der Schweiz als System funktionierte und verschiedene Nationalitäten in ähnlichen Strukturen erfasste.
Diese Beispiele bilden nur einen kleinen Teil der vorhandenen Erinnerungszeichen ab. Es existieren viele weitere Denkmäler, Tafeln und lokale Hinweise, die nicht nur auf Flieger bezogen sind, sondern auf andere Gruppen internierter Militärangehöriger und auf die räumliche Vielfalt der Internierung in der Schweiz. Dazu gehören unter anderem Hinweise auf polnische Internierte und ihre Arbeitseinsätze, Erinnerungen an französische und italienische Internierte sowie Markierungen zu Unterbringungsorten in Gemeinden, die über Jahre hinweg Lager oder Arbeitskommandos beherbergten. Ein Teil dieser Spuren ist als offizielles Denkmal erfasst, ein anderer Teil findet sich in Kirchen, Gemeindechroniken, Museumsbeständen oder in lokal gepflegten Erinnerungstraditionen. Systematisch erschliessen lassen sich solche Objekte am ehesten über Inventare von Denkmälern, über Gemeinde und Kirchgemeindeunterlagen sowie über regionale Archive und Museen, die die Internierungsgeschichte einzelner Orte dokumentiert haben.
