Fluchtgeschichten - James Sutherland
© by Patrick Schlenker 2026
James Sutherland wurde am 7. April 1920 geboren und diente in den britischen Streitkräften unter der Dienstnummer 4395183.
Am ersten Tag der Schlacht bei Matruh in Ägypten, am 26. Juni 1942 geriet Sutherland in Gefangenschaft. Die Schlacht bei Matruh (Mersa Matruh) war ein Gefecht, bei dem die deutsch-italienische Panzerarmee Afrika unter Rommel die britische 8. Armee besiegte und rund 8.000 Alliierte Gefangene machte, was den Weg für den Vormarsch Richtung El Alamein und Suez ebnete, bevor die Briten sich neu formierten. Sutherland wurde daraufhin als Kriegsgefangener registriert.
Italienische Gafengenschaft
Nach seiner Gefangennahme wurde er zunächst in das italienische Lager PG 70, PM 3300 gebracht. Das Lager lag bei Monturano. Monturano liegt rund 30 Meilen im Landesinnern von Porto San Giorgio, südlich von Ancona. PG 70 entstand im Sommer 1942 bei Fermo in einer 1938 gebauten Leinenfabrik. Die Anlage wurde vom italienischen Oberkommando beschlagnahmt und zum Lager umgebaut. Schlafsäle in ehemaligen Hallen, Arrest, Küche, Sanität, Latrinen; höhere Mauern und Stacheldraht; getrennte Bereiche für Italiener und Gefangene. Ab dem 19. August 1942 trafen vor allem britische Kriegsgefangene aus Libyen ein. Das Lager wuchs schnell und war vor dem Waffenstillstand überfüllt mit zuletzt 8.338 Briten. Die Bedingungen waren gemischt. Schlafsäle waren beleuchtet, aber ungeheizt; Essen anfangs knapp, später wurde dies besser durch Eigenanbau und vor allem druch das verteilen von Rotkreuz-Paketen. Es gab Theater, Orchester, Bibliothek und eine Lagerzeitung. Einige Gefangene arbeiteten im Lager und erhielten dafür Lohn. Probleme blieben und waren Wassermangel, Kälte, Krankheiten und Ungeziefer. Alleine von September 1942 bis Mai 1943 starben 45 Gefangene. Fluchtversuche waren häufig, wurden aber aber hart bestraft. Nach dem Waffenstillstand am 8. September 1943 blieb ein Teil der Gefangenen zunächst im Lager. Un der Folge entkamen rund 2.000 Soldaten. Weitere 6.000 wurden nach Deutschland deportiert.
Illustration POW Camp PG 70 Monturano - Illustration © Patrick Schlenker 2026
Im Frühjahr des folgenden Jahres erfolgte eine Verlegung: Am 1. Mai 1943 wurde Sutherland in das Lager PG 62, PM 3200 überführt, wie aus einer Liste vom 22. Juli 1943 hervorgeht. Das lag südlich von Bergamo. Der „britische Bereich“ diente dabei nur als Durchgangslager. PG 62 Grumello del Piano wurde 1941 in umgebauten Fabrik- und Kraftwerksgebäuden eröffnet und war vor allem ein Umschlagplatz für Arbeitskommandos (insgesamt 65), meist in der Landwirtschaft, teils auch in der Industrie. 1943 stiegen die Zahlen stark an. Zeitweise waren über 6.000 Gefangene auf engstem Raum eingepfercht (u. a. Jugoslawen, Griechen, Franzosen sowie Briten und Zyprioten). Die Bedingungen waren hygienisch schlecht, es kam zu Streiks und harter Bestrafung. Im Juni 1943 erschoss Lagerkommandant Oberst Francesco Turco den zypriotischen Gefangenen Lambros Christofi; Turco wurde nach dem Krieg verurteilt. Nach dem 8. September 1943 flohen viele, wurden aber grösstenteils rasch wieder gefasst. Unter ihnen mit grosser wahrscheinlichkeit auch James Sutherland.
Er wurde nicht wieder gefasst und am 7. Oktober 1943 gelang es ihm über Crema in die Schweiz zu kommen. Wo er in der Schweiz Interniert wurde, ist nicht bekannt.
