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Fluchtgeschichten - Gavin Cadden

 © by Patrick Schlenker 2026

Gavin F. J. Cadden wurde 1913 in Glasgow geboren. Er war der Sohn von Joseph und Hester Cadden. 1931 trat er in die britische Armee ein und verpflichtete sich beim King’s Own Scottish Borderers. Später wechselte er ins Parachute Regiment und diente als Unteroffizier im 2nd Battalion, Parachute Regiment.

Nordafrika und Kriegsgefangenschaft

Im November 1942 war Cadden in Nordafrika im Einsatz. Am 29. November 1942 geriet er beim Einsatz bei Depienne in deutsche Gefangenschaft.

Der Einsatz, in dessen Verlauf Gavin Cadden am 29. November 1942 in Gefangenschaft geriet, gehörte zu den frühen britischen Luftlandeoperationen nach der alliierten Landung in Nordafrika (Operation Torch). Das 2nd Battalion, Parachute Regiment, sprang am 29. November 1942 bei Depienne ab. Kommandeur war Lieutenant Colonel John Frost, welcher 2 Jahre später das selbe Battalion an die Brücke von Arnheim führte. Ziel war der Raum Oudna, rund 15 Kilometer südwestlich von Tunis, wo deutsche Flugplätze als Angriffsziele galten. Der Auftrag umfasste Angriffe gegen diese Flugplätze und anschliessend die Verbindung mit der nach Osten vorstossenden British First Army. Diese Verbindung kam jedoch nicht zustande, weil die Bodenoffensive durch unerwartet starken deutschen Widerstand gebremst wurde. Dadurch blieb das Bataillon isoliert weit hinter den feindlichen Linien. Es folgten schwere Gefechte und ein kämpfender Rückzug in Richtung eigener Linien über mehrere Tage, mit hohen Verlusten. Der Einsatz ging in die Traditionsgeschichte des Regiments ein; „Oudna“ wurde später als Battle Honour geführt.

Nach einer ersten Gefangenschaftsphase in Tunesien wurde er nach Italien verlegt und in das Kriegsgefangenenlager Campo PG 62 bei Bergamo eingewiesen. Dort blieb er bis September 1943.

PG 62 bei Bergamo: Ort, Funktion und Bedingungen

PG 62 in Grumello del Piano entstand 1941 wenige Kilometer südlich von Bergamo in umgebauten Industrieanlagen (einer ehemaligen Knopffabrik bzw. Leinenmühle sowie einem Kohlekraftwerk bei Lallio). Das Lager war in zwei Bereiche gegliedert und mit doppeltem Stacheldraht, Wachtürmen und Posten gesichert; die italienische Lagerleitung und die Wachen waren in einem Teil der ehemaligen Fabrik untergebracht.

Von Beginn an kamen vor allem jugoslawische Gefangene nach PG 62, später auch Griechen und Franzosen. Britische Gefangene spielten bis Anfang 1943 kaum eine Rolle, danach stiegen ihre Zahlen stark an, unter anderem durch Verlegungen aus PG 70 Monturano. Im Sommer 1943 erreichte PG 62 insgesamt rund 6.760 Gefangene. Entscheidend für den Lageralltag war die Rolle als Drehscheibe für Arbeitskommandos: Insgesamt wurden 65 Arbeitskommandos bedient. Die meisten Gefangenen arbeiteten in der Landwirtschaft, kleinere Gruppen auch in der Industrie, darunter in einer Giesserei sowie bei Falck in Sesto San Giovanni.

 Die Arbeits- und Lebensbedingungen führten zu Konflikten, Streiks und Arbeitsverweigerungen. Die Reaktionen der italienischen Seite reichten von Arrest bis zu Misshandlungen. Hygiene und Versorgung waren schlecht; mindestens zehn jugoslawische Gefangene starben an Krankheit oder Unterernährung. Ein besonders schwerer Fall ereignete sich im Juni 1943 im Kommando Orio al Serio: Der zypriotische Gefangene Lambros Christofi wurde vom Lagerkommandanten Oberst Francesco Turco erschossen; Turco wurde nach dem Krieg verurteilt (zunächst Todesurteil, später in 15 Jahre Haft umgewandelt).

Im Lager PG 62 war der Alltag zudem durch Mangel und strenge Lagerpraxis bestimmt. Bei der Ankunft gehörten Entlausungsmassnahmen dazu. Die Versorgung war knapp; Tausch und Improvisation spielten eine grosse Rolle, Zigaretten dienten als wichtiges Tauschmittel. Die Post unterlag der Zensur. Krankheiten und Hygieneprobleme waren wiederkehrende Themen. Gefangene wurden auch zu Arbeiten herangezogen, unter anderem zu Tätigkeiten wie dem Reinigen von Uniformen. Fluchtpläne und Ausbruchsversuche waren ein ständiges Thema, verbunden mit dem Risiko harter Sanktionen.

Nach dem 8. September 1943 liessen Wachen viele Gefangene fliehen, doch die Deutschen fassten zahlreiche wieder. Das Lager wurde geplündert und danach nochmals als Sammelstelle genutzt, bevor Gefangene deportiert oder erneut in Arbeitskommandos verteilt wurden. 2008 erinnerte eine Gedenktafel am Standort an das Lager.

Flucht aus Italien

Nach dem Zusammenbruch der italienischen Lagerordnung im September 1943 gelang Cadden die Flucht aus dem Raum Bergamo. Er erhielt Unterstützung durch einen Priester sowie durch italienische Zivilpersonen. Über diese Kontakte entstand eine Verbindung zur italienischen Resistenza, die Verstecke, Begleitung, Weiterleitungen und Hinweise auf sichere Wege ermöglichte.

In dieser Phase kam es zu einer akuten Gefährdung durch eine deutsche Razzia. Cadden entging der Festnahme nur knapp, erneut mit Hilfe eines italienischen Zivilisten. Anschliessend gelang der Grenzübertritt in die Schweiz.

Schweiz: Aufnahme und Internierung

Nach dem Grenzübertritt wurde Cadden in der Schweiz aufgenommen und als britischer Militärangehöriger interniert. Die Internierung bedeutete nicht freie Rückkehr, sondern einen geregelten Aufenthalt unter Aufsicht. Er wurde zu Arbeitseinsätzen herangezogen; als konkrete Tätigkeit ist Torf stechen belegt. Gleichzeitig bestand eine begrenzte Bewegungsfreiheit innerhalb der für Internierte gesetzten Rahmenbedingungen.

 

Rückkehr nach Grossbritannien

 

1944 kehrte Gavin Cadden nach Grossbritannien zurück. Der Rückweg (Route und Transportmittel) ist in den frei zugänglichen Kurzangaben nicht genauer ausgewiesen.