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Fluchtgeschichten - Fridrich William Simpson

© by Patrick Schlenker 2026

Am 5. März 1945 wurde aus dem Bergell ein englischer Kriegsgefangener in das Internierten-Zwischenlager Samaden eingeliefert. Es handelte sich um den Soldaten Fridrich William Simpson, Royal Engineers, 505 Field Kp., Regimentsnummer 2091139. Als Wohnort wurde Newcastle on Tyne angegeben, konkret „2 Sycmore Street off Rye Hill“. Simpson erklärte nach seiner eigenen Darstellung, er sei zusammen mit zwei Kameraden, ebenfalls Kriegsgefangene, seit Dezember 1944 und über die Monate Januar und Februar 1945 auf der Flucht von Italien in Richtung Schweiz gewesen. 

Nach seinen Angaben waren die drei Männer zuvor im Raum Florenz in Gefangenschaft geraten und hätten von dort aus den Versuch unternommen, auf einem „abenteuerlichen Weg“ die Schweiz zu erreichen. Für die letzte Etappe beschrieb Simpson eine Strecke zwischen Bergamo und Morbegno und gab an, dass die Gruppe dabei über den Passo di San Marco ging. Er schilderte winterliche Verhältnisse mit einer Schneehöhe von etwa 30 bis 100 Zentimetern. Als sie auf der Passhöhe von San Marco, die er mit rund 2000 Metern über Meer bezifferte, in stark erschöpftem Zustand angekommen seien, hätten sie in einer kleinen Hütte Rast gemacht. Diese Hütte habe sich ungefähr fünf Minuten entfernt von einem grossen Passhaus befunden, das die Aufschrift „San Marco“ getragen habe. 

Zur Versorgungslage führte Simpson aus, die Gruppe habe nur wenig Brot zur Verfügung gehabt und ansonsten Schnee genutzt. Er gab an, dass nach dem dritten Tag in dieser Lage zwei seiner Kameraden an Erschöpfung verstorben seien. Als belastende Faktoren nannte er Hunger, Kälte, wunde Füsse und schlechte beziehungsweise ungenügende Kleidung. Den Eintritt des Todes datierte er in seiner Schilderung auf die Nacht vom 28. Februar 1945 auf den 1. März 1945. Er sagte weiter, als er am Morgen erwacht sei, seien beide bereits tot gewesen. 

Simpson erklärte, er habe die beiden Verstorbenen am 1. März 1945 zurückgelassen, jedoch erst, nachdem er sich nach eigener Aussage mit Bestimmtheit vom Tod überzeugt habe. Zur Frage der Identifizierung der beiden Toten machte er die Angabe, er habe weder Erkennungsmarken noch irgendwelche anderen Effekten oder persönlichen Kennzeichen an den Körpern gefunden. Daraus folgt, dass die später gemeldeten Personalien der beiden Verstorbenen nicht auf vorgefundenen Ausweisen oder Marken am Ereignisort beruhten, sondern auf dem Wissen, das Simpson über seine Begleiter hatte oder anzugeben vermochte. 

Als Personalien der beiden verstorbenen Begleiter wurden in der Meldung genannt: Soldat Peter Ross, ungefähr 25 Jahre alt, „5 Army“, Philadelphia, U.S.A., sowie Soldat Harry Butler, ungefähr 23 Jahre alt, „8 Army“, „Danial Mills“, Cape Town, South Africa. Simpson ersuchte nach seiner Ankunft in Samaden, dass diese Mitteilung an das englische und amerikanische Konsulat oder an das Rote Kreuz weitergemeldet werde, damit die Angehörigen in Kenntnis gesetzt werden könnten. 

In den folgenden Tagen wurde der Vorfall innerhalb der zuständigen militärischen Stellen weitergegeben. Aus dem Schriftverkehr geht hervor, dass die Angaben aus Samaden an das Territorialkommando (Ter. Kdo. 12) weitergeleitet wurden und von dort aus weitere Veranlassungen getroffen werden sollten. 

Später, im Mai 1945, wurde der Sachverhalt in einer weiteren amtlichen Mitteilung an die zuständigen britischen und amerikanischen Stellen (militärische Attachés) erneut zusammengefasst. Dort wird Simpson als britischer Soldat bezeichnet, der aus Italien entkommen sei, mit dem zusätzlichen Personenmerkmal „1901“, und es wird nochmals festgehalten, dass zwei Fluchtgefährten, Peter Ross (ca. 25 Jahre, 5th Army, Philadelphia, USA) und Harry Butler (ca. 25 Jahre, 8th Army, Danial Mills, Cape Town, South Africa), beide zuvor bei Florenz gefangen genommen, an Erschöpfung in einer kleinen Hütte am Col San Marco zwischen Bergamo und Morbegno gestorben seien. In dieser späteren Darstellung wird der Todeszeitraum weiter gefasst und als „in der Nacht vom 23. Februar bis 1. März 1945“ angegeben. Ebenfalls wird wiederholt, dass Simpson keine Identitätsmarken oder sonstigen persönlichen Kennzeichen an den beiden Körpern gefunden habe und den Ort erst verlassen habe, nachdem er sich vom Tod überzeugt habe.