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30. September 1944 15:23 / Dübendorf

© by Patrick Schlenker 2026

Mosquito FB.Mk. VI, NS.993, code P3°T, 515 Squadron - © Schlenker Patrick 2026_1 

Mosquito FB.Mk. VI, NS.993, code P3°T, 515 Squadron im Landeanflug auf den Flugplatz Dübendorf - Bild © Patrick Schlenker 2026

 

Pilot: F/Sgt Arthur Callard ∏ 

Navigator: F/Sgt E. Dixon Townsley (am 22.12.44 geflohen)

Die NS.993 war bei den De Havilland-Werken in Hatfield gebaut worden. Ursprünglich wurde sie am 11. April 1944 der No. 617 Squadron zugeteilt, aber schon am 14. Mai 1944 an die No. 515 Squadron übergeben. Geflogen wurde sie an diesem 30. September 1944 von Flight Lieutenant A. E. Callard. Als Navigator begleitet von Flight Sergeant E. D. Townsley. Wie auch die Begleitmaschine Mosquito FB.Mk. VI, PZ.440, code P3° trug sie dabei ein falsches Squadron-Kennzeichen: Statt „3P“ war „P3“ aufgemalt, bei der NS.993 konkret „P3-T“.

Am Morgen hoben die beiden Mosquitos um 07.05 Uhr in Little Snoring ab und flogen anschliessend nach Frankreich, um in St. Dizier aufzutanken. Erst um 11.55 Uhr verliessen sie diese vorgeschobene Basis zur eigentlichen „Ranger“-Mission. Ziel war es, im Raum München, Linz und Wien lohnende Gelegenheitsziele anzugreifen. Damit diese Reichweite überhaupt möglich war, erhielten die Maschinen grosse Flügelzusatztanks mit einem Fassungsvermögen von je 756 Litern. 

Mosquito „Ranger“-Mission

2 Mosquitos der No. 617 Squadron auf einer „Ranger“-Mission - © Patrick Schlenker 2026

Während die Begleitmaschine nach ihren Angriffen den Rückflug antrat, setzte die Besatzung der NS.993 den Einsatz allein fort. Um 13.28 Uhr entdeckten Callard und Townsley auf dem Chiemsee zwei Dornier Do 24. Sie griffen an und beschädigten zunächst eine der Maschinen schwer. Danach flogen sie weiter ostwärts und sichteten um 13.43 Uhr auf dem Flugplatz Friedburg in der Nähe von Salzburg eine einzelne Bf 109G. Ein kurzer Feuerstoss genügte: Die Messerschmitt explodierte, und umherfliegende Teile schlugen dabei auch in die Mosquito ein.

Mosquito im Angriff - © Patrick Schlenker 2026_1

Angriff auf den Flugplatz Friedburg, wobei F/Sgt Arthur Callard mit seiner Mosquito FB.Mk. VI, NS.993, code P3°T eine abgestellte ME109 zerstörte - © Patrick Schlenker 2026

Erst als Mücken und Fliegen die Frontscheibe so stark zusetzten, dass die Sicht zunehmend schlechter wurde, entschloss sich Callard zur Umkehr. Vorher wollte er aber noch einmal überprüfen, wie schwer die Do 24 auf dem Chiemsee getroffen worden waren. Dabei zeigte sich, dass eine bereits total zerstört war. Callard ging nochmals tief herunter und zerstörte auch die zweite Do 24 mit einem kurzen Feuerstoss.

Auf dem Rückflug, südlich von München, überhitzte dann der rechte Merlin-Motor. Callard musste das Triebwerk abstellen – ein kritischer Moment, weil damit Leistung, Höhe und Reserve praktisch weg waren. Mit nur noch einem laufenden Triebwerk drang die NS.993 südlich des Bodensees in die Schweiz ein. Um 15.25 Uhr, nördlich von Zürich, wurde sie von vier Moranes gestellt. Zunächst hielten sich die Jäger neben die Mosquito, ohne anzugreifen, weshalb die britische Besatzung die Eskorte kurzerhand ignorierte und weiterflog. Erst als die Moranes spürbar „aufdringlicher“ wurden und die Landeaufforderung unmissverständlich machten, folgten Callard und Townsley. Die NS.993 setzte schliesslich um 15:23 Uhr mit nur einem laufenden Triebwerk sicher auf dem Flugplatz Dübendorf auf.

Die Besatzung wurde von den Schweizer Behörden festgesetzt und interniert. Für die Männer bedeutete das zunächst: Abgabe der persönlichen Ausrüstung, Befragungen und anschliessend Unterbringung in Internierung. Der Navigator E. D. Townsley taucht später nochmals in den Akten auf, weil ihm am 22. Dezember 1944 die Flucht gelang.

Nach einer Verlegung im November nach Arosa nutzte er die Gelegenheit zur Flucht. Am besagten 22. Dezember 1944 gelang ihm zusammen mit Pilot Officer Millard sowie den Flight Sergeants D. P. Balmer und M. T. Bartle der Durchbruch nach Frankreich. Balmer und Bartle gehörten zur Besatzung der Lancaster ND759Lancaster ND759 (No. 35 Squadron), die am 28. April 1944 bei Steckborn von der Schweizer Flab abgeschossen worden war. Nach ihrer Flucht aus der Schweiz erhielten die gefohenen Unterstützung durch den französischen Untergrund. Am Ende gelangten sie schliesslich nach England zurück. 

Die Mosquito selbst blieb in Dübendorf zurück und stand dort zunächst längere Zeit, ehe man sich entschloss, das Flugzeug wieder instand zu setzen. Die Arbeiten zogen sich über Monate hin, weil man nicht nur Schäden zu beheben hatte, sondern auch Ersatzteile und Lösungen finden musste, die in der Schweiz überhaupt verfügbar waren. In diesem Zusammenhang wird auch ein Motorwechsel erwähnt; der beschädigte Zustand der Maschine und die Vorgeschichte mit dem abgestellten Triebwerk machten solche Eingriffe nachvollziehbar.

Nach dem Krieg erhielt die NS.993 in der Schweiz ein zweites Leben. Sie diente als Versuchsträger und fliegender Prüfstand für eigenen Entwicklungsprojekte. Dabei spielte unter anderem die Erprobung der Swiss-Mamba SM-01 eine Rolle, die im Zusammenhang mit dem Projekt N-20.10 „Aiguillon“ stand. In dieser Phase wurde die Mosquito nicht als Frontflugzeug betrachtet, sondern als nützliches Arbeitsgerät: zuverlässig, schnell und geeignet, Mess- und Erprobungsflüge durchzuführen.

Am Ende blieb der Betrieb aber nur eine Übergangslösung. Nach ihrer Ausmusterung hatte die NS.993 143 Flüge mit insgesamt 3724 Flugminuten absolviert. Formell wurde die Maschine schliesslich am 27. Juni 1949 von den Briten zurückgekauft. 15. März 1954 wurde sie schliesslich verschrottet.