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24. August 1942 14:03/ Bern-Belp

© by Patrick Schlenker 2011 / 2026

Mosquito Mk. IV,  DK.310, 1.PRU code L°YG - Bild © Patrick Schlenker 2026_1

Mosquito Mk. IV,  DK.310, 1.PRU code L°YG in den Wolken mit typisch helblauem Farbschema der Photographic Reconnaissance Unit - Digitale Darstellung (teilweise KI gestützt): Patrick Schlenker, 2026

 

Pilot: Captain G. R. Wooll 

Navigator: Sergeant John Hielden

Obschon es schon seit Beginn des Krieges viele Luftraumverletzungen durch britische Flugzeuge gab, landete erst im Spätsommer des Jahres 1942 die erste britische Maschine auch auf Schweizer Boden. Dabei handelte es sich um die Havilland Mosquito Mk. IV,  DK.310, der No. 1 Photographic Reconnaissance Unit (1.PRU), welche in Benson Oxfordshire stationiert war. 

Die Besatzung, bestehend aus Captain G. R. Wooll, Erkennungsnummer 42734 RAF, geb. 15.9.13, aus Ontario, Kanada, und Sergeant John Hielden, Erkennungsnummer 105282 RAF, geb. 28.5.20, aus Oxford, England,
versuchte das Flugzeug sofort nach ihrer Lanung zu vernichten, wurde aber daran durch die Wachtleute des Flugplatzes gehindert.

Der Auftrag der Besatzung bestand in der luftgestützten Erkundung des Adriaraums. Vorgesehen waren photographische Aufnahmen der Städte Venedig, Pola, Fiume und Triest. Der Start erfolgte in den frühen Morgenstunden gegen 3.30 Uhr englischer Zeit auf dem Flugplatz Benson in Oxfordshire, mit dem Ziel, Venedig im Direktflug zu erreichen.

Bis in den Raum Nancy verlief der Flug ohne besondere Vorkommnisse. Dabei wurde in einer Höhe von rund 9000 Metern über einer geschlossenen Wolkendecke geflogen. Gegen 12.30 Uhr englischer Zeit trat am rechten Motor ein ein Problem auf, der kurze Zeit später zum vollständigen Ausfall führte. Als Folge konnte Captain G. R. Wooll die Höhe nicht haten und ging in den Sinklflug. 

Angesichts dieses Schadens waren sich beide Besatzungsmitglieder einig, dass der Auftrag nicht mehr durchgeführt werden konnte. Sie entschieden den Rückflug anzutreten, in der Hoffnung, entweder England oder notfalls einen Landeplatz im besetzten Frankreich erreichen zu können. Was beide nicht wussten, dass infolge starker Winde die Mosquito bereits auf dem Hinflug erheblich abgetrieben worden war. Sie hatten dabei schon die Orientierung vollständig verloren. Um ein Eindringen in französisches Gebiet zu vermeiden, stellte der Pilot den Kurs auf 300 Grad ein.

Kurz vor 14.00 Uhr, bei einer Flughöhe von etwa 500 Metern, durchstiess die Mosquito die Wolkendecke. Darunter konnten sie eine grössere Stadt erkennen (Bern). Da auch das linke Triebwerk probleme hatte die Leistung zu halten, entschloss sie sich zur sofortigen Landung. Es wurde ein geeigneter Landeplatz ausgewählt und die Landung gelang auf dem Flugplatz Bern-Belp ohne Probleme. Später stellte sich heraus, dass beim erste Rolls-Royce Merlin Motor ein Schlauchband des Kühlers gelöst hatte, was in der Folge zur Überhitzung des Motors geführt hatte. Die Mosquito DK.310 war die erste, welche in die Hände einer anderen Nation fiel.

Zum Zeitpunkt der Landung war der Besatzung nicht bewusst, dass sie sich auf schweizerischem Gebiet befand. Sie ging vielmehr davon aus, im Gebiet des Deutschen Reiches gelandet zu sein. Das Bordbuch war vor der Landung vernichtet worden, um militärische Unterlagen nicht in fremde Hände fallen zu lassen.

Die beiden Besatzungsmitglieder Captain G. R. Wooll von der Royal Canadian Air Force und Sergeant John Hielden von der RAF konnten nach einem Gefangenenaustausch gegen die deutschen Villing und Scharf und den Italiener Porta die Schweiz wieder verlassen.

Aus den Unterlagen der Flieger- und Flabtruppen ist zu entnehmen:

Nach den Feststellungen der Fliegerabwehr ist das Flugzeug in der Gegend von Häusiwil im Emmental aus der Wolkendecke hervorgekommen und befand sich dabei bereits im direkten Anflug auf Bern. Die ersten Abklärungen durch das Kommando der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen liessen die Aussagen der Besatzung als glaubwürdig erscheinen. An Bord wurden vorbereitete Karten sichergestellt, auf denen der geplante Flugverlauf eingetragen war. Das Bordbuch konnte hingegen nicht aufgefunden werden; die Besatzung gab an, dieses vor der Landung vernichtet zu haben.

Insgesamt handelte es sich um ein infolge ungünstiger Witterungsverhältnisse verirrtes Flugzeug, das aufgrund eines Motorendefekts seinen Kriegsauftrag nicht zu Ende führen konnte. Der englische Luftattaché der britischen Gesandtschaft in Bern wurde über den Vorfall entsprechend orientiert.

Die Besatzung wurde nach der Landung durch die Wache auf dem Flugplatz Belp verpflegt und anschliessend dem Territorialkommando 3 zur Überführung nach Bern übergeben. Ein eingehendes Verhör wurde für den 25. August 1942 vorgesehen und sollte in Anwesenheit eines Vertreters der Nachrichtensektion des Armeestabes durchgeführt werden

Pressemitteilung:

„Am 24.8.42 Nachmittags landete in der Nähe von Bern ein englisches Militärflugzeug, das sich verirrt hatte und zur folge Motorpanne niedergehen musste. Die Besatzung, bestehend aus zwei Mann, und das Flugzeug wurden interniert, gleich wie es bezüglich der vor einiger Zeit in der Schweiz gelandeten Flugzeuge geschehen ist.“

In der Folge entschied der Bundesrat, die am 25. Juli (zwei deutsche Messerschmitt) und am besagten 24. August 1942 im Belpmoos gelandeten Havilland Mosquito der Kriegstechnischen Abteilung zu überlassen. Die Maschinen wurden zu Studienzwecken freigegeben und durften auch demontiert werden. Diese Verfügung wurde am 21. Dezember 1942 den zuständigen militärischen Stellen mitgeteilt.

Zu einem späteren Zeitpunkt wurde dem Eidgenössischen Militärdepartement durch das Politische Departement bekanntgegeben, dass England bereit sei, die Mosquito an die Schweiz zu verkaufen. Daraufhin wurde die Kriegstechnische Abteilung ermächtigt, direkt mit dem Luftattaché der englischen Gesandtschaft in Bern in Verhandlungen einzutreten. Nach Kenntnis der konkreten Bedingungen der Abtretung wurde um einen Bericht sowie um einen Antrag ersucht. 

Die Maschine wurde nach zähen Verhandlungen mit der britischen Regierung am 1. August 1943 zur Erprobung freigegeben. Nochmals fast ein Jahr später, am 3. Juli 1944 konnte die Maschine auch gekauft werden. Im Oktober übernahm die Post die Maschine für Postflüge unter der Bezeichnung HB-IMO. Kurz nach Kriegsende übernahm die Schweizer Luftwaffe die Maschine wieder. 1946 flog diese in der Schweiz mit der Markierung B-4 gekennzeichnete Mosquito das letzte Mal. 1951 wurde diese dann verschrottet.

Mosquito Belp 1944_1

Mosquito Mk. IV,  DK.310, 1.PRU code L°YG nach ihrer Übernahme der Schweiz 1946 Foto zur Verfügung gestellt von Stefan Zwingli - Digitale Kolorierung (teilweise KI gestützt): Patrick Schlenker, 2026

 


 

- Gefallen

↔ - Im Rahmen eines Kriegsgefangenenaustausches  zurück nach England

 

∏ - In der Schweiz interniert